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Das Edelweissabzeichen der Hochgebirgstruppe des Heeres

von Micheal Lobbe

Die Tradition des Edelweissabzeichen in der deutschen Armee geht auf das Jahr 1915 zurück. Das österreich – ungarische Landesverteidigungskommando Tirol übergab im Juni 1915 als Geschenk 20.000 Edelweissabzeichen an das neugebildete Deutsche Alpenkorps, welches die k.u.k. Bundesgenossen unterstützen sollte. Eine Tragegenehmigung für das neue Sonderabzeichen wurde von den Kriegsministerien Bayerns und Preussens sowie den jeweiligen Landessouveränen der anderen beteiligten deutschen Verbände im Laufe des Jahres 1915 erteilt und beschränkte sich ausschliesslich auf die ursprüngliche Formation des Alpenkorps. Im Laufe des Krieges neu hinzukommende Einheiten erhielten seitens der preussichen Kriegsministeriums keine weitere Tragegenehmigung für das Edelweissabzeichen.

Im Jahre 1919 trugen die Angehörigen des Freikorps Kirchheim, welches sich aus dem Hannoverischen Jägerbataillon Nr.10 bildete, als besondere Kennzeichnung ein Edelweissabzeichen. Das Jägerbataillon 10. gehörte im Rahmen des Jäger-Regiments 2 zum Deutschen Alpenkorps. In der neuen Reichswehr wurden anschliessend keine Edelweissabzeichen mehr getragen.

Mit einem Erlass des O.K.H. wurde im Mai 1939 das Edelweissabzeichen als charakteristisches Sonderabzeichen für die Hochgebirgstruppe des Heeres erneut eingeführt, und bestand bis Mai 1945.

Nur die Angehörigen der Gebirgsdivisionen und der Gebirgsgeneralkommandos mit den kriegsgliederungsmässig unterstellten ständigen Korpseinheiten waren trageberechtigt.

Gerade durch die im Norwegenfeldzug enge Zusammenarbeit der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine kam es dazu, dass sich die Edelweissabzeichen auch bei anderen, nicht trageberechtigen Truppenteilen als Andenken grosser Beliebtheit erfreuten. So wurden während des Krieges seitens des O.K.H, aber auch seitens des Marine und der Luftwaffe wiederholt Verfügungen erlassen, die das Tragen des Edelweissabzeichens für nicht trageberechtigte Truppen ausdrücklich untersagten.

Das Edelweissabzeichen wurde von den Gebirgsjägern in drei Variaten getragen. Als verkleinerte (ca. 28 x 30 mm) stiellose Edelweissblüte an der Schirmmütze zwischen Hoheitsabzeichen und Nationale, als Edelweissblume in natürlicher Größe an der linken Seite der Bergmütze und als ovales Ärmelabzeichen auf dem rechten Oberarm der Uniform.

WK1 Geb.Jäger
Angehörige des österreich - ungarischen 14. Korps, welche als sog. Kappenabzeichen das für die Alpenregion typische Edelweiss tragen. Als Zeichen der Zusammengehörigkeit wurden diese Abzeichen 1915 dem Deutschen Alpenkorps als offizielles Geschenk überreicht.


Dienstmützenabzeichen
Das unstielige Edelweissabzeichen für die Schirmmütze.

Dienstmützenabzeichen Geb.Art.Rgt. 79
Ein Angehöriger des Gebirgsartillerieregiments 79 aus Garmisch-Partenkirchen (1.Gebirgsdivision) trägt das unstieligen Edelweissabzeichen an der Schirmmütze. Gut zu sehen ist ebenfalls das Ärmeledelweiss.

Oberst Utz Geb.Jäg.Rgt. 100
Der spätere Generalleutnant Willy Utz (RK 21.06.1941) trägt hier als Oberst und  Kommandeur des Gebirgsjägerregiments 100 (1. Gebirgsdivision, Bad Reichenhall) das Edelweissabzeichen an der Bergmütze.


Das Edelweissabzeichen wurde an der linken Seite der Bergmütze mit dem von zwei S-förmig gekrümmten Blättern eingefassten Stiel in einem Winkel von ca.45° nach vorn getragen. Der Blumenkorpus war aus silbernen oder aluminiumfarbenden Weissmetall geprägt. Der goldgelbfarbende Blütenstand wurde ebenso wie beim stiellosen Dienstmützenabzeichen separat gefertigt und aufgesetzt. Er wird durch zwei Laschen befestigt. Das Abzeichen selber wird an der Bergmütze mit Hilfe von fünf Bohrungen durch den Stielansatz (1) und die Blütenblätter (4) aufgenäht. Es kamen auch Metallabzeichen mit Stoffunterlage und Bergmützenabzeichen ganz aus Stoff vor. Die Befestigung des stiellosen Edelweiss an der Schirmmütze erfolgte mittels einer längeren senkrechten Befestigungsnadel oder zwei, jeweils links und rechts angebrachten Haltesplinten.

Bergmützenabzeichen Metall

Links ein ungetragenes Edelweiss bei dem die Befestigungsbohrung am linken Blütenblatt fehlt. Rechts ein im Laufe der Jahre korrodiertes Bergmützenabzeichen.


Das Ärmelabzeichen der Gebrigstruppe zeigt ein Edelweiss mit weissen Blütenblättern, hellgrünem Stil und gelbem Blütenstand eingerahmt von einem verschlugenen mausgrauen Bergseil, welches oben durch eine querovale Riemenschnalle läuft und unten mit den Enden verknotet ist. Üblicherweise ist das Abzeichen auf einer sehr dunklen feldgrauen (auch gunkelgrünen) Tuchunterlage gestickt. Es kommen auch gewebte Abzeichen vor, sowie seltener, gewebte Abzeichen aus Kakistoff für Afrika- bzw. Sommeruniformen (Südfront). Zu eigenen Uniformjacken durften auch privat gefertigte, so meist handgestickte, Edelweissabzeichen getragen werden.

maschinengesticktes Ärmeledelweiss

Ein stärker getragenes, maschinell gesticktes Ärmeledelweiss.

handgesticktes Ärmeledelweiss

Eine exquisite, in Metallgarn handgestickte Ausführung des Ärmeledelweiss für den Waffenrock eines Gebirgsjägeroffiziers.


Geb.Jäger Gefreiter

Ein Gefreiter der Gebirgstruppe  mit einem gestickten Ärmeledelweiss und der Bergmütze. An der fehlenden Regimentsnummer auf den Schulterklappen lässt sich ersehen, das diese Aufnahme wohl bereits zu Kriegszeiten gemacht wurde.

Gebirgsjäger ohne Dienstmützenabzeichen

Ein Jäger des Gebirgsjägerregiments 138 aus Loeben ( 3. Gebirgsdivision, Graz). Das Edelweissabzeichen an der Schirmmütze fehlt und die Kragenspiegel scheinen im Vergleich zur dunkleren Waffenfarbe  an den Schulterklappen und der Paspelierung an der Schirmmütze (hellgrün = Gebirgsjäger) wohl weiss hinterlegt (weiss = Infanterie).


Die Gebirgsjäger der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland übernahmen durch einen Erlass des Bundesministers für Verteidigung vom April 1957 das Edelsweissabzeichen wiederum als Sonderabzeichen der Gebirgstruppen in Form eines Ärmelabzeichens und eines Mützenabzeichens.

Alle Abzeichen und Fotos bis auf das stiellose Schirmmützenabzeichen stammen aus der Sammlung des Autors. Dieses Abzeichen, sowie weiteres hier nicht abgebildetes Fotomaterial, wurde mir von Bart Jansen, NL,  zur Abbildung überlassen.

Literatur:

Ordenskunde Heft Nr. 15, „Das Edelweissabzeichen für Hochgebirgstruppenteile des Heeres“ , von Dr. K.-G.Klietmann, Verlag „Die Ordens-Sammlung“ Berlin 1960

A.Schlicht/J.R.Angolia, Die Deutsche Wehrmacht, Band 1, Das Heer, Motorbuch Verlag Stuttgart, 3. überarbeitete Auflage 1996